Klumpenrisiko: Warum Schweizer Depots oft zu viel SMI haben
Viele Schweizer Anleger investieren zu stark in heimische Aktien. Wir erklären, warum das gefährlich ist und wie Sie Ihr Portfolio global diversifizieren.
Was ist Home Bias?
Home Bias bezeichnet die Tendenz von Anlegerinnen und Anlegern, überproportional in den eigenen Heimmarkt zu investieren. In der Schweiz ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt: Studien zeigen, dass Schweizer Privatanleger im Durchschnitt 40–50% ihres Aktienportfolios in Schweizer Titel investieren — obwohl der Schweizer Aktienmarkt nur rund 3% der globalen Marktkapitalisierung ausmacht.
Das Problem mit dem SMI
Der Swiss Market Index (SMI) umfasst die 20 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz. Doch die Gewichtung ist extrem konzentriert:
- Nestlé: ca. 20%
- Novartis: ca. 18%
- Roche: ca. 15%
Drei Unternehmen machen über 50% des Index aus. Wer einen SMI-ETF kauft, investiert also mehr als die Hälfte seines Geldes in nur drei Firmen aus zwei Branchen (Nahrungsmittel und Pharma). Das ist kein diversifiziertes Portfolio — das ist ein Klumpenrisiko.
Warum ist das gefährlich?
- Branchenrisiko: Pharma und Nahrungsmittel dominieren den SMI. Regulatorische Änderungen oder Patentabläufe können den gesamten Index stark belasten.
- Währungsrisiko: Obwohl Schweizer Unternehmen global tätig sind, notiert der SMI in Franken. Ein starker Franken drückt die Gewinne der Exporteure.
- Verpasste Chancen: Technologie, Halbleiter, Künstliche Intelligenz — die grossen Wachstumstreiber der letzten Jahre finden sich kaum im SMI. Wer nur Schweizer Aktien hält, hat die Rally der US-Tech-Giganten weitgehend verpasst.
So diversifizieren Sie richtig
1. Globale ETFs als Kern
Ein breit diversifizierter Welt-ETF wie der Vanguard FTSE All-World oder der iShares MSCI ACWI deckt über 3'000 Unternehmen aus mehr als 40 Ländern ab. Damit reduzieren Sie Ihr Klumpenrisiko massiv.
2. Schweizer Aktien als Beimischung
Ein Anteil von 10–20% Schweizer Aktien im Gesamtportfolio ist sinnvoll — schliesslich kennen Sie den Heimmarkt gut, und es gibt Vorteile bei der Verrechnungssteuer. Mehr sollte es aber in der Regel nicht sein.
3. Auf die Gewichtung achten
Wenn Sie in Schweizer Aktien investieren, wählen Sie den SPI statt den SMI. Der Swiss Performance Index umfasst über 200 Titel und ist breiter diversifiziert. Alternativ bieten sich gleichgewichtete ETFs an, die nicht von einzelnen Schwergewichten dominiert werden.
4. Regelmässig prüfen
Überprüfen Sie mindestens einmal jährlich, wie hoch Ihr Schweizer Anteil tatsächlich ist. Vergessen Sie dabei die Pensionskasse nicht — viele Kassen haben ebenfalls einen hohen Schweizer Anteil.
Fazit
Der Home Bias ist einer der häufigsten und teuersten Fehler in Schweizer Depots. Drei Aktien sollten niemals über die Hälfte Ihres Portfolios ausmachen. Mit einem global diversifizierten ETF-Portfolio als Basis und einem gezielten Schweizer Anteil als Ergänzung sind Sie deutlich besser aufgestellt. RATIV Capital hilft Ihnen, Klumpenrisiken in Ihrem Portfolio zu erkennen und zu beseitigen.
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