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Anlegen11. März 2026· RATIV Capital· 3 Min. Lesezeit

ESG und nachhaltig investieren — Sinn oder Marketing?

Nachhaltige Anlagen boomen. Aber was steckt wirklich hinter ESG-Labels? Ein kritischer Blick auf nachhaltige Investments für Schweizer Anleger.

Der ESG-Boom

Nachhaltige Anlagen sind in den letzten Jahren explosionsartig gewachsen. In der Schweiz verwalteten nachhaltige Fonds und ETFs 2025 über CHF 1'500 Milliarden. ESG (Environmental, Social, Governance) ist das Schlagwort — aber was bedeutet es konkret?

Was ESG wirklich bedeutet

Environmental (Umwelt) CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallmanagement, Biodiversität

Social (Soziales) Arbeitsbedingungen, Menschenrechte in der Lieferkette, Diversity & Inclusion

Governance (Unternehmensführung) Unabhängigkeit des Verwaltungsrats, Transparenz, Korruptionsprävention, Vergütungsstrukturen

Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics oder ISS vergeben ESG-Scores — aber deren Methoden unterscheiden sich erheblich. Studien zeigen: Die Korrelation zwischen verschiedenen Ratinganbietern für dasselbe Unternehmen beträgt nur 0.3–0.5 (niedrig). Tesla z.B. erhielt von verschiedenen Agenturen gleichzeitig sehr hohe und sehr tiefe ESG-Scores.

Die grössten ESG-Mythen

Mythos 1: ESG-Fonds schliessen "böse" Unternehmen aus Realität: Viele ESG-ETFs halten immer noch Öl- und Gasunternehmen — nur mit tieferem Gewichtungsanteil. Shell und TotalEnergies sind in vielen "nachhaltigen" ETFs enthalten.

Mythos 2: ESG-Anlagen performen schlechter Realität: Historisch haben ESG-Anlagen oft vergleichbar oder besser performed als konventionelle Indizes — insbesondere wegen des hohen Tech-Anteils in ESG-Indizes. Ob dies zukünftig anhält, ist ungewiss.

Mythos 3: Mit ESG-Investments mache ich die Welt besser Realität: Das Kaufen von ESG-Aktien am Sekundärmarkt fliesst nicht direkt in Unternehmen. Der Primärmarkteffekt (Kapitalkosten) ist real, aber marginal. Die direkte Wirkung ist gering.

Sinnvolle ESG-Strategien

Best-in-Class Bestes Unternehmen jeder Branche wird bevorzugt — auch Ölfirmen können enthalten sein. Breite Diversifikation bleibt erhalten.

Exclusion-basiert (Ausschluss) Waffen, Tabak, Glücksspiel, Kohle werden ausgeschlossen. Klarer, aber weniger nuanciert.

Impact Investing Direkte Investition in Unternehmen mit nachweisbarem sozialem oder ökologischem Impact. Oft weniger liquide.

Thematische ETFs (Clean Energy, Water, etc.) Fokus auf spezifische Nachhaltigkeitsthemen. Hohes Klumpenrisiko, oft teurer.

Empfehlung für Schweizer Anleger

Wenn Sie nachhaltig investieren möchten: - MSCI World SRI ETF (z.B. iShares, TER 0.20%): Striktere Ausschlusskriterien, gute Diversifikation - Vanguard ESG Global All Cap ETF (TER 0.24%): Breite Marktabdeckung mit ESG-Filterung

Wenn Sie vor allem renditeoptimiert anlegen wollen: - MSCI World oder FTSE All-World ETF (TER 0.10–0.22%): Breiter Markt, keine ESG-Einschränkungen

Wichtig: Der Gebührenunterschied zwischen ESG-ETFs und Standard-ETFs beträgt oft nur 0.05–0.10% — das ist kein Argument gegen ESG-Anlagen.

Fazit

ESG ist weder reines Marketing noch der Heilsbringer für Anleger und Gesellschaft. Die Realität liegt dazwischen: ESG-Ratings sind inkonsistent, die direkte Wirkung bescheiden, aber gut konstruierte ESG-ETFs bieten solide Renditen bei vernünftigen Kosten und ermöglichen eine Grundausrichtung nach persönlichen Werten. Wählen Sie den Ansatz, der zu Ihren Überzeugungen passt — aber prüfen Sie die Kosten und den tatsächlichen Inhalt des Fonds genau.

Nächster Schritt

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